Anatomie und Arten

Schnecken reimt sich auf Schrecken – seit langer Zeit sind diese schleimigen Tiere für den Landwirt ein Graus. Dabei haben wir es in unseren Breiten noch gut, denn es gibt auch giftige Schnecken, die ihre Beute mit Harpunenzähnen erlegen oder Raubschnecken, die ihre Beute nach deren Geruch verfolgen bis sie erlegt ist. Weltweit gibt es über 43.000 Schneckenarten, in einer Größenordnung zwischen weniger als einem Millimeter und 75 Zentimeter Größe. Davon leben nur 35 Nacktschneckenarten in Deutschland und bevölkern unsere Felder und Gärten. Doch diese wenigen Arten können sehr großen Schaden anrichten.



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Körperbau

Acker- und Wegschnecken sind die wichtigsten Nacktschnecken, die unsere Ackerkulturen schädigen. Nacktschnecken gehören zu den Landlungenschnecken. Im Gegensatz zu den Gehäuseschnecken ist bei den Nacktschnecken das Gehäuse unter der Haut als verkümmerter Schutzschild ausgebildet. Auch ist die Schleimschicht meist dicker.

Fühler und Zähnchen

Die Landlungenschnecken tragen im Kopfbereich zwei Fühlerpaare. Bei Berührung lassen sich die beiden Fühlerpaare wie ein Fingerhandschuh nach innen einstülpen. Die oberen Fühler tragen an der Spitze winzige Augen. Diese Augen können nur den Kontrast zwischen hell und dunkel unterscheiden. Zugleich ist hier auch das Organ des Tast- und Geruchssinnes.

Für die Nahrungsfindung sind die Mundfühler mit den Geschmackszellen zuständig. Mit raspelartigen Zähnchen, die sich auf der Reibezunge befinden, wird die Nahrung zerkleinert. Diese vielen kleinen Zähnchen sitzen auf einem beweglichen Muskel. Abgenutzte oder abgebrochene Zähne werden abgestoßen und durch neue ersetzt.

Atemloch und Mantelschild

Das Atemloch sitzt rechts vom Mantelschild. Hier kann man Acker- von Wegschnecken leicht unterscheiden: Das Atemloch bei den Wegschnecken liegt in der vorderen Hälfte, bei den Ackerschnecken in der hinteren Hälfte des Mantelschildes.

Schleimspur

An der Fußsohle befinden sich Schleimdrüsen, die eine Schleimspur absondern auf der die Schnecke kriecht. Diese Schleimspur reduziert die Reibung zwischen Schnecke und Untergrund. Der Schleim dient auch dem Schutz vor Austrocknung. Die Fortbewegung findet durch wellenförmige Bewegungen der Fußsohle statt, die von hinten nach vorne verlaufen.

Körperbau Schnecken

Wussten Sie schon?

Sollte ihnen aber doch ein Feind zu nahe kommen, sondern Schnecken in großen Mengen einen übel schmeckenden Schleim ab, um sich zu schützen. Dieser Schleim ist sehr klebrig und kann einem Insekt den Schnabel oder die Mundwerkzeuge verkleben. Deswegen werden Nacktschnecken nur selten von anderen Tieren verspeist.


Lebensweise

Schnecken sind Zwitter. Sie legen nach wechselseitiger Begattung, helle, etwa 2 mm dicke, weißlich bis durchsichtige kugelige Eier in Gelegen von etwa 10 bis 30 Stück, meist unter Erdklumpen oder verrottende Pflanzenteile ab. Als Zwitter kann jede Schnecke in ihrem Leben bis zu 500 Eier ablegen, wie das beispielsweise für die Genetzte Ackerschnecke zutrifft. Nach etwa 2 bis 4 Wochen schlüpfen die jungen Schnecken. Ihr Bewegungsradius ist auf wenige Zentimeter begrenzt. Sie können bis zur Hälfte ihres Eigengewichtes an Futter aufnehmen. Bis zum fortpflanzungsfähigen Alter vergehen je nach Temperatur und Feuchtigkeit weitere 4 bis 6 Wochen. Die Lebensdauer beträgt etwa 6 bis 8 Monate.

Schneckenpaarung

Geschichtliches

Schneckenleckerei im Selbstversuch

Wer einmal auf einer Schneckenschleimspur verunglückt ist, wie im Sommer letzten Jahres ein Trabant bei Paderborn, der weiß, wie zäh dieser äußere Schutz der Nacktschnecken ist. Zudem schmeckt er äußerst widerlich, wie der Heimatdichter Hermann Löns in seiner Geschichte "Ein ekliges Tier" 1911 in einem amüsant beschriebenen Selbstversuch getestet hat: „Merkwürdig!' dachte ich, und als Jünger der strengen Wissenschaft nicht gesonnen, mich durch Vorurteile abschrecken zu lassen, strich ich mit dem Zeigefinger über eine Schnecke und kostete ein wenig von dem Schleime. Der Erfolg war glänzend; erstens gebärdete ich mich wie der Strauß, zweitens musste ich einen Kognak trinken, und als auch das nichts half, einen Bitteren und dann noch einen, drittens verlor ich für drei Tage den Appetit…Immerhin ließ ich es bei dem einen Versuche von Schneckenleckerei bewenden, und als ich später las, dass im Dreißigjährigen Krieg halbverhungerte Bauern diese Schnecken gegessen hätten, da erst ging mir die Schauderhaftigkeit jener Zeit in ihrem vollen Umfange auf.“

Schneckenarten

Genetzte Ackerschnecke

Deroceras reticulatum

  • 3,5 bis 5 cm, selten 6 cm lang
  • Körper ist grob gerunzelt
  • In den Furchen befindet sich auf dem Schild fast immer ein Muster dichter, dunkler Flecken, ferner eine netzartige Zeichnung auf dem Rücken und an den Seiten.
  • Die Farbe variiert von schwach cremefarben über verschiedene Brauntöne bis schiefergrau.
  • Die Sohle ist nur schwach gefärbt, der Schleim milchig bis farblos.
  • Atemloch befindet sich hinten im Mantelschild

Vorkommen

Häufigste Nacktschnecken-Art in ganz Europa, im Süden seltener.

Folgende Kulturpflanzen werden befallen

Raps, Getreide, Rüben, Kartoffel, Bohne, Erbse, Erdbeere, Heilkräuter, Luzerne, Klee, Möhre, Kohl, Mais, Mohn, Radieschen, Salat, Spinat und Tabak.

Genetzte Ackerschnecke

Graue Ackerschnecke

Deroceras agreste

  • Sie ist ca. 4 cm lang
  • Körper und Mantel sind schwach braungelb (lederfarben) gefärbt, gelegentlich auch ins Braune oder Graue übergehend.
  • Weder Flecken noch netzartige Strukturen sind zu finden, die Runzeln erscheinen fein.
  • Die Sohle ist weiß bis cremig, der Schleim farblos bis leicht milchig.
  • Atemloch befindet sich im hinteren Teil des Mantelschildes

Vorkommen

Besser an Kälte angepasst; Skandinavien, Schottland, Dänemark, Belgien, Ostdeutschland, Polen, Tschechien, Slowakei, Schweiz und Ungarn.

Folgende Kulturpflanzen werden befallen

Raps, Getreide, Rüben, Kartoffel, Bohne, Erbse, Erdbeere, Heilkräuter, Luzerne, Möhre, Klee, Kohl, Mais, Mohn, Radieschen, Salat, Spinat und Tabak.

Graue Ackerschnecke

Wegschnecken

Rein äußerlich sind die verschiedenen Arten der Wegschnecken (z.B. Rote Wegschnecke und Spanische Wegschnecke) nur schwer zu unterscheiden, da alle Arten rote, schwarze (mit Ausnahme der Spanischen Wegschnecke) und braune Formen zeigen. Rote und Schwarze Wegschnecken können sogar weiß sein. Eine zweifelsfreie Bestimmung der ausgewachsenen Wegschnecken ist nur durch Präparation eines toten Exemplares oder durch DNA-Abgleich möglich. Als Jungtiere kann man sie noch unterscheiden, da diese dann noch arttypisch gefärbt sind.

Große bzw. Rote Wegschnecke

Arion ater (L.) resp. Arion rufus

  • Körperlänge von 10 bis 15 cm, selten 20 cm
  • möglichen Farbvarianten von schwarz über grau, orange bis hin zu ziegelrot
  • Fußsaum immer rötlich bis gelblich braun
  • Die Runzeln sind groß und länglich.
  • Der ovale Mantel nimmt das vordere Drittel des Körpers ein, das Atemloch befindet sich vorne rechts
  • Jungtiere sind leich gelblich bis hell orange mit einem dunklen Kopf

Vorkommen

Verbreitungsgebiet von Südskandinavien über Frankreich, Benelux und Deutschland bis Polen; nicht in Südeuropa.

Folgende Kulturpflanzen werden befallen

Kartoffel, Raps, Rüben, Rübsen, Mohn, Klee und Leguminosen, Gemüse (Salat).

Große Wegschnecke

Spanische Wegschnecke

Arion lusitanicus

  • Länge ca. 7 bis 15 cm lang
  • Farben ausgewachsener Exemplare sind hoch variabel und unterscheiden sich nicht von den anderen Arten der Wegschnecken.
  • Jungtiere sind häufig gelblich mit jeweils einem dunklen Längsband auf jeder Körperseite
  • Mantelschild im vorderen Körperdrittel, Atemloch vorne/mittig auf der rechten Seite

Vorkommen

Deutschland, Österreich, Schweiz, England, Irland, Frankreich und Spanien. Von den Wegschnecken ist die gefräßige Spanische Wegschnecke am gefährlichsten.

Folgende Kulturpflanzen werden befallen

Kartoffel, Raps, Rüben, Rübsen, Mohn, Klee und Leguminosen, Gemüse (Salat).

Spanische Wegschnecke

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